manchmal lach ich drüber, doch dann merk ich wieder, wie's mich trifft. komik ist tragik in spiegelschrift.

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vatertag.

da ich das einzige von drei kindern bin, das doof genug war, nur 20 km vom elternhaus entfernt wegzuziehen, während meine geschwister so bald als möglich die bundeslandgrenzen überquerten und sich nun in bayern und nrw verstecken, musste ich also heute wieder mal dran glauben, und mit meinen eltern essen gehn. aber was macht man nicht alles für eine kostenlose, warme mahlzeit in diesen harten zeiten... soweit meine ausrede für den wahren grund, dass ich zu gutmütig bin und nicht nein sagen kann, wenn der alte herr vater sein kind sehen will...

so fuhren wir zwei kaffs weiter in ein am wald gelegenes ausflugsziel mit neu eröffnetem restaurant unter koreanischer führung. meine mutter, die größte xenophobikerin unter gottes schöner sonne, setzte alsgleich ihren skeptikerblick auf, der von meinem vater einfach ignoriert wurde - er hatte bereits auf der sonnenterrasse platz genommen. ja, gut, dann wir hinterher, ein blick in die speisekarte: kind, empfehl mir was! da ich relativ gut mit der koreanischen küche vertraut bin, bestellte ich für die hungrige frau neben mir bulgogi, mariniertes rindfleisch mit reis und beilagen, da die anderen gerichte teilweise mit ginseng und viel ingwer mariniert waren und fleischknödelkraut-mutti bei dererlei exotik ins würgen verfällt. der kellner kommt und nimmt die getränke auf, papa wasser, ich cola light und dann geht das theater auch gleich los. meine mutter kann sich nie entscheiden und quatscht immer gerne mit den kellnern herum, besonders mit denen, die des deutschen nicht allzu mächtig sind und wenns schön voll ist und ein einzelner kellner 30 leute gleichzeitig bedienen muss. "haaach, ich hätte gern einen guten weißwein, trocken muss er sein, nicht zu süß, was haben sie denn so?" kellner: "äh, rote un weiße." mutter: "haben sie riesling? chardonnay? grauburgunder?" kellner: "äh, glauburgunder, ja." mutter: "ist der auch nicht zu süß, hach, am liebsten trink ich ja den fendant oder den grünen veltliner, kennen sie den? also wenn sie mal in österreich sind, dann setzen sie sich mal in ein schönes weinlokal und bestellen sich einen veltliner, den kann ich ihnen wirklich empfehlen - ein TOLLER wein! also damals am wörthersee, da hätte ich ja am liebsten gleich eine kiste gekauft, aber es war ja kein platz mehr im kofferraum..." ich unterbreche, sage zum kellner: "grauburgunder passt schon. ein glas, bitte. danke." er trollt sich verstört richtung küche ob des laberflashs der frau mit dem zu großen hut, meine mutter erzählt ohne punkt und komma weiter, mein vater döst halb weg, die leute kucken, aber wen störts nicht? meine erzeugerin. 10 minuten später, sie voll in action in ihrem monolog kommen die getränke, wir bestellen das essen, der erste schluck am wein wird genommen, ein schrei! "aaaaaaaah, viiiiel zu süß, also DEN kann ich nicht trinken..." (warum man beim asiaten auch wein bestellen muss, außer es ist pflaumenwein, versteh ich sowieso nicht...) ich gebe ihr meine cola, trinke ihren - für meinen geschmack viel zu sauren wein und sie hält für sage und schreibe zwei minuten die klappe. ihr unruhiger blick wandert umher, da sieht sie zwei meter von sich entfernt auf der mauer einen buchsbaum im blumentopf, sie beugt sich vor, riecht an der pflanze und ruft fröhlich: "toll, der stinkt ja gar nicht! haaach, auf dem friedhof, diese buchsbäume, die stinken immer so muffig, aber der, der riecht ganz neutral, hm, dann müssen das wohl doch eher die leichen sein..." bei diesen worten spucke ich den wein quer über den tisch und bekomme einen hustenanfall, mein vater öffnet die augen - erwacht aus dem sekundenschlaf, in den er sich zu flüchten suchte - und fragt: "war was?" es bleibt keine zeit für erklärungen, das essen kommt. mir schmeckts, meinem vater schmeckts, meine mutter würgt bereits: "aaaaaaaaah, viel zu scharf und iiiiiiiiiiiiih, das fleisch riecht so gammelig, das ist ja verdorben, dieser süße geruch!" ich erkläre ihr, dass das rindfleisch mit zucker, sesamöl, sojasauce und gewürzen mariniert und dann gegrillt wird, dass das alles seine richtigkeit hat und so schmecken muss. sie jammert, sie mäkelt, sie schmollt, wie es sich halt für eine sechsjährige, äh sechzigjährige gehört... also tausche ich mit ihr mein essen, sie gibt ruhe, isst alles auf, schnüffelt nochmal am buchsbaum und um ihren riecher noch besser in das gestrüpp versenken zu können, zerrt sie an einem zarten ast, zieht ihn zu sich heran und krack! hatse den halben buchsbaum abgeroppt in ihren händen. "haaaaaaaaaach, der ist aber falsch zugeschnitten worden, können die denn nicht gärtnern? also sooo heruntergestutzt KANN der ja gar keinen festen stamm ausbilden!" sprichts und schmeißt den ermordeten zweig die terrasse hinunter. gedanklich sitze ich schämend unter dem tisch, wo ich ihr gerne in die waden beißen möchte, tue aber so, als tangiert mich ihr pienziges verhalten nicht. das habe ich gestern bei der super-nanny gelernt. einfach mal ignorieren... der kellner kommt, fragt: "gut war?" und bevor die impertinente frau zu meiner linken den mund aufmachen kann, sage ich schnell: "jaja, war lecker, danke." - mein vater hat sich schlafenderweise mal wieder ausgeklinkt. ich frage mich, ob er sich mal extra ne zehzeh-fliege oder wie die dinger heißen injiziert hat, um sich in brenzligen situationen in die schlafkrankheit retten zu können... auch ne methode. ich möchte gehen, muttern will noch einen espresso hinterherkippen. als dieser gebracht wird, ist der neuerliche wunsch nach konversation mit dem kellner-knilch in ihr entbrannt, ich kann schweißperlen auf seiner stirn ausmachen: "haaaach, so ein espresso nach dem essen ist ja was feines, aber abends trinke ich lieber tee, english breakfast tea, obwohl das macht ja wenig sinn, weil den soll man wohl eher morgens trinken - wegen breakfast, verstehnse? das heißt frühstück, verstehnse? hahahaaa..." der gute mann aus ostasien lächelt mit buddhistischer gelassenheit, aber wahrscheinlich wetzt er in gedanken schon sein kampfschwert... endlich können wir gehen, sitzen noch ein wenig im elterlichen garten, meine mutter brabbelt was von ritter sport, den sie gepflanzt hat und ignoriert meine anmerkung, dass es sich vielmehr um rittersporn handeln mag, denn ritter sport sei eine schoki. ich stopfe zitronenkuchen in mich hinein, trinke english breakfast tea, verfluche meine geschwister, die sich heute abend sicher beide telefonisch melden werden, damit ich ihnen den tag erzähle. während sie dann in lachkrämpfe verfallen und mich bemitleiden, darf ich daran erinnern, dass sonntag muttertag ist und sie vergeblich anflehen, wenigstens an diesem tag vorbeizukommen, um mich bei dem erneuten martyrium zu unterstützen. pustekuchen.
5.5.05 22:15
 



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