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ich habs ja schon oft genug erwähnt. ich komme aus einer streng katholischen familie. meine mutter hat per kirchengemeindenpetition und gezeter in meiner dorfgrundschule erreicht, dass meine klasse und die meiner schwester keinen aufklärungsunterricht bekamen. fernsehen war streng zensiert (spielte für mich keine große rolle, denn ich hatte sowieso die hälfte meiner kindheit fernsehverbot*.), die bravo war teufelswerk und kontakt zu kindern liberaler eltern wurde im keim erstickt. in dieser moralinsauren enklave braver sittsamkeit gab es also keinerlei möglichkeit, sachliche informationen über die fortpflanzung zu erlangen. (an die jungen leser: internet war damals noch nicht.) blühende phantasie und legendenbildung gab es natürlich genug. jedenfalls waren meine gleichaltrigen kumpanen und ich davon überzeugt, man müsse einmal das dings machen (irgendwie nackich machen, was zusammenstecken, fertig) und dann kommt ein kind raus. geht aber nur bei verheirateten. (t. lebte bei seiner alleinerziehenden unverheirateten mutter. wir fragten ihn, wie er denn entstanden sei, er wusste es selbst nicht, also waren wir davon überzeugt, dass er einfach so irgendwo gewachsen sei. wie die bohne, die wir gerade im sachunterricht keimen ließen. ja, so muss es gewesen sein.)
eigentlich war es ganz einfach: einmal dings machen, ein kind. zweimal dings machen, zwei kinder.
jetzt waren wir aber drei kinder bei uns zu haus. oh mein gott, meine eltern - sexmonster! dreimal hatten sie dings gemacht, es gab sonst keine familie, die drei kinder hatte. ich schämte mich.
die grundschulzeit verging also ohne sexualerziehung. als ich mit zehn das erste mal meine tage bekam, dachte ich, ich hätte einen tumor im bauch und müsse jetzt sterben, schrieb mein testament (mein sparbuch in höhe von 60 mark für meinen vater, meine spielsachen für meine beste freundin, meine lunge für meinen asthmakranken bruder) und wartete auf den tod. der kam aber nicht und als ich mich endlich nach dem dritten tag meiner schwester anvertraute, erklärte sie mir alles (naja, zumindest das, was sie wusste, sie las schon zwei jahre heimlich die bravo) und gab mir eine binde, in der größe einer pampers maxi. es gibt auch noch tampons, meinte sie, aber bei denen kriegt man blutstau und stirbt. aha. wir mussten noch viele jahre bravo lesen, bis wir alle infos zusammenhatten, die man so braucht. (wobei die erkenntnis, dass meine eltern vielleicht sogar noch öfters als dreimal dings gemacht hatten, ziemlich gruselig war...)
*musste heute an hans-peter briegel denken, der als duplosammelbildchen im rahmen der wm82 in spanien auf meiner spielkiste klebte. ihm zu ehren dichtete ich den genialen zweizeiler: der briegel, der briegel, der schisst in alle riegel. das ergebnis: zwei wochen fernsehverbot.
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